letter for you I Februar 2025

Wer ist Elfie? 

Elfie lacht gern und am meisten über sich. Sie kann sich ausschütten über ihre Tollpatschigkeit und Naivität und dann lachen die Menschen um sie herum ebenfalls. Aber es fällt Elfie nicht auf, dass sie nicht mit ihr lachen, sondern über sie. Sie sieht nicht, wie die Menschen sich im Wegdrehen Blicke zuwerfen und die Augenbrauen süffisant nach oben ziehen. Wenn Elfie lacht, hat sie ihre Mauern hochgezogen, den Rest blendet sie aus.

Elfie ist Mitte dreißig. Sie hat eine normale Figur, vielleicht etwas breite Hüften und zu wenig Brust und vielleicht auch etwas zu dicke Oberschenkel und einen kleinen Bauch, findet sie. Ihr langes dünnes Haar trägt sie meist zusammengebunden, was ihr rundliches Gesicht sehr zum Vorschein bringt und ihre schönen Augen. Sie mag ihre Augen. Den Rest mag sie nicht so sehr, deshalb trägt sie gern Jeans und weite Shirts, die ihre Figur verdecken. Das verleiht ihr ein Gefühl von Sicherheit. 

Elfie arbeitet seit vielen Jahren in einem Büro in der Innenstadt. Sie ist stets pünktlich und gewissenhaft und immer nett und zuvorkommend. Sie lebt in einer kleinen Dachgeschosswohnung mit ihrer Katze Muffin und ihrem Hasen Peanut. Einen Freund hat sie nicht, obwohl sie gern einen hätte. Der muss auch nicht super schön sein oder sportlich, es reicht, wenn er ein Mann wäre mit Herz und voller Liebe. Doch bisher war davon nichts zu sehen. Sie hat eben Pech mit Männern, sagt Elfie dann immer. Und dann wird sie rot, unsicher und lacht. 

Freunde hat Elfie auch nicht. Hatte sie auch nie. Wenn andere von der besten Freundin erzählen, von der Seelenverwandten, mit der man Pyjamapartys feiert, stundenlang telefoniert, sich nächtelang über Jungs unterhält und gemeinsam shoppen geht - Elfie hatte das nicht. Nicht weil sie es nicht wollte, sondern weil es einfach niemanden gab. Das war schon in der Kindheit so und änderte sich auch nicht, als Elfie älter wurde. Elfie schritt auf einem Einzelpfad durchs Leben und wenn sich hier und da jemand als potenzielle Beste-Freundin-Kandidatin zeigte, legte Elfie alles daran, diese von sich zu überzeugen und festzuhalten. Und dann löste sich wieder alles in Enttäuschung auf, weil Elfie über das Klammern hinaus vergaß, einfach geschehen zu lassen. 

Wenn Elfie zurückdenkt, nahm dieser Wunsch und die Suche nach einer solchen Seelenverwandten viele Jahre viel Raum in ihrem Kopf ein. Es war nicht nur die Suche danach, sondern auch die Frage nach dem warum und warum nicht. Wenn sie darüber nachdachte, wie eine Hochzeit mit ihr wäre, dann geriet Elfie stets in panisches Grübeln. Sie hätte niemanden, den sie einladen könnte, niemanden, den sie fragen würde, ob sie Trauzeugin werden möchte, keine Mädelsgruppe, um einen Junggesellinnenabschied zu feiern oder mal auf männerfrei anzustoßen. Elfie traf sich nicht wie in „Sex and the City“ zum Mädelsessen oder Cocktailtrinken, fuhr nicht mit der Clique in den Urlaub und besprach ihre Probleme nicht mit der besten Freundin und zwei Flaschen Wein. Und so fand Elfie es dann eigentlich auch gar nicht schlimm, keinen Mann zu haben, so müsste sie diesem auch nicht erklären, warum er sie nicht teilen brauchte. Und überhaupt, Freundschaft würde doch eigentlich überbewertet. Sie ist schon immer gut allein zurechtgekommen und Probleme lösen sich auch nicht, wenn man mit anderen darüber redet. Punkt.

Elfie geht nicht auf Partys

Aber so sehr Elfie sich auch die Vorzüge des Alleinseins vor Augen hielt, im Herzen war sie ratlos und traurig. Besonders schlimm wurde es immer, wenn das Wochenende nahte und die Kollegen sich darüber unterhielten, welche Partys an den kommenden Abenden anstanden. Dann wurde Elfie immer ganz klein hinter ihrem Bildschirm und betete, dass niemand sie fragen würde, auf welcher man sie denn antreffen würde. Denn Elfie ging nie auf Partys. Nicht weil sie es nicht wollte, sondern weil sie niemand einlud. Das war schon immer so gewesen, auch an Silvester und an den Geburtstagen. So gern wäre Elfie mal Mittelpunkt ihrer eigenen Überraschungsparty gewesen, die sie im Fernsehen immer so toll fand, aber die kam nie. Und so versteckte sich Elfie immer ganz umsonst hinter ihrem Bildschirm, denn niemand hatte wirklich vor, Elfie nach Party zu fragen. Es sah niemand Elfie.

Elfie war schon immer ein Mensch mit einem großen Herzen. Sie liebte Tiere, Bücher und romantische Filme und sie liebte es zu träumen. Meist träumte sie davon ein berühmter Filmstar zu sein und stellte sich vor, wie sie auf dem roten Teppich mit den Photographen flirtete oder mit Bodyguards im Rücken den Fans auf dem Flughafen zuwinkte, auf dem Weg nach Amerika zu einem neuen Filmdreh und einem neuen aufregenden Filmpartner. Wenn die Wirklichkeit sie wieder einholte, wurde alles wieder grau um sie herum - sie war Elfie, Mitte dreißig, ohne Mann, ohne Kinder, ohne Karriere, ohne Freunde und mit einem Körper, den sie gern eingetauscht hätte. Das ist schon sehr ungerecht verteilt, meinte Elfie immer. Manchen ist der Weg so golden vorgegeben, wie in einem Glückskeks. Die sind schon in der Schule cool und schön und tragen die ewige Glückseligkeit in der Handtasche. 

Elfie gehört nicht dazu

Elfie fand sich nie cool und schön und sie fand auch nicht, dass sie jemals Glück hatte. Elfie fand immer, sie sei zu dick und zu hässlich, zu unsportlich und modisch nicht aktuell genug und fand, das seien ausreichend Gründe, warum sie nie einer Clique angehören durfte und auch nie gefragt wurde, ob sie es wollte. Sie hatte niemanden, mit dem sie zusammen lernen oder nach der Schule abhängen konnte, sie blieb übrig, wenn sich die Übernachtungspaare für die nächste Klassenreise fanden und war im Sportunterricht immer die letzte, die auf der Bank sitzen blieb, wenn die Mannschaften gewählt wurden. Niemand wollte Elfie und niemand sah, wie Elfie litt. Alle sahen dann nur die fröhliche Elfie, die auf der Sportbank saß, lässig abwinkte und mit „alles gut, kein Problem“ versuchte, die Tränen wegzulachen. Niemand fühlte mit, wenn Elfies Herz sich zusammenzog, sobald Worte wie Teambuilding oder Klassenfahrt im Raum standen, Mannschaft oder Projekt. Sie war zwar Teil von etwas, aber gehört nicht dazu, hatte keine Bedeutung, keinen Einfluss, keine Aufgabe, keine wichtige Rolle. Niemand sah Elfie.

Am falschen Ort zur falschen Zeit

Mit der Zeit wurde Elfie immer stiller. Worte, die sie sagte, waren meist leise und wenn sie nichts sagte, war das scheinbar auch okay, niemand fragte nochmal nach, was Elfie so dachte oder welchen Vorschlag sie hätte. Sie verlor ihre Stimme, ihren Mut, ihre Haltung. Sie machte, was sie sollte, war weiterhin fleißig und strebsam, nicht laut und nicht auffällig und sich zu entschuldigen wurde Teil ihrer Hauptsätze. Ein „sorry, tut mir leid“, „ach wie dumm von mir“, „alles gut, kein Problem“, „kein Thema, ist okay“, gingen immer häufiger über ihre Lippen und irgendwann fand Elfie sich damit ab, zur falschen Zeit am falschen Ort geboren worden zu sein. 

Es war einer dieser Freitage im Februar, es war Feierabend, die Kollegen waren gegangen. Wie immer waren sie feiernd aus dem Büro gestürmt und laut im Treppenhaus verschwunden. Niemand sagte Elfie Tschüss oder wünschte ihr ein schönes Wochenende. Sie sahen Elfie nicht. 

Draußen war es schon dunkel und es fiel Schnee. Der Winter war da und hatte die Stadt in eine strahlend weiße Decke eingehüllt. Die weißen Flocken tanzten, es roch nach Schnee, nach Winter und nach Kälte und alles wurde langsamer, die Zeit, die Menschen und die Autos. Elfie zog den Kragen ihres Mantels hoch und schaute in den Himmel - welch Zauber und Magie lag doch in dieser weißen Flockenpracht.

Vor einem Jahr war sie auch durch den Schnee gelaufen und hatte Tränenkristalle geweint. Tränen der Enttäuschung und der Wut. An diesem Abend hatte sie mit ihm Schluss gemacht, nachdem sie ihn mit seiner Ex gesehen hatte, engumschlungen und vertrauter als es ihr lieb war - nach drei Jahren Beziehung, die rückblickend eigentlich keine gewesen ist. Elfie hatte sich damals schnell verliebt in diesen charismatischen Mann, den sie an der Kasse ihres Lieblingssupermarktes kennen gelernt hatte. Er hatte sie bemerkt, er hatte sie gesehen und das reichte aus, ihn als Geschenk des Himmels zu betrachten, als Schicksal, als Wunder und als Weg hinaus aus dem Unglücklichsein. Er und sie, für immer und ewig, hatte sie Muffin und Peanut erzählt. Nur, dass er es anders sah und sie nicht genau hinschaute. Denn schnell hatte dieser charismatische Mann Elfies Vorzüge entdeckt, alles zu machen, was er von ihr verlangte, alles zu erdulden und alles zu bejahen, egal wie er sie behandelte. Sie liebte ihn und sie wollte ihn glücklich machen und so übersah sie die Zeichen. 

Er hatte nur am Anfang nach ihren Freunden gefragt, dann nicht mehr. Dann hatte sie ihm erzählt, dass sie keine mehr hätte - die einen seien weggezogen und mit den anderen hätte man sich auseinandergelebt und durch das ganze berufliche Tun wäre einfach keine Zeit mehr gewesen einander zu pflegen. Und weil das toll klang und logisch, glaubte Elfie es fast selbst. Somit blieb ihnen nur sein Freundeskreis und schnell wurde dieser auch zu ihrem, aber weil sie eben doch nicht dazugehörte blieben alle fern, als Elfie ging.

Elfie ist allein

Elfie stapfte durch den Schnee und dachte an ihn. Wie einsam muss sie ihm vorgekommen sein, so allein. Aber Alleinsein heißt nicht gleich einsam und das eine bedingt nicht unbedingt das andere. Was Elfie von beidem war oder sogar beides zusammen, wusste sie selbst nicht genau. Elfie schüttelte sich, als wollte sie ihre Gedanken dem Frost übergeben und im ewigen Eis erstarren lassen. Wut stieg in ihr hoch. Alles hatte sie für ihn gemacht, alles gegeben, nichts verlangt, ihre Wünsche hintenangestellt und sich bescheiden, lieb und nett gezeigt - war ihm das nichts wert gewesen? Keine Liebe und kein Bemühen? Hätte er Elfie mit dem Herzen gesehen, dann hätte er alles darum gegeben, sie festzuhalten. Aber er ließ Elfie einfach gehen.

Elfie erreichte die Straßenecke und betrat ihren Lieblingssupermarkt. Auch wenn ihr dieser nicht wirklich Glück gebracht hatte, war er doch ein willkommener Einstieg in den Freitagabend. Elfie wollte sich etwas kochen und die frierende Seele streicheln. Wenn schon außer Muffin und Peanut keiner da war, dann wollte sie sich zumindest selbst etwas Gutes tun. 

„Ach Kollegin…“, tönte es aus den Kohlrabikisten in ihre Richtung. „Was macht siiiiiie denn hier?“ Die Kollegin aus der Vertriebsabteilung, die vor zwanzig Minuten das Büro verlassen hatte, winkte aufgeregt zu Elfie hinüber, während sie nebenbei etwas in ihrem Handy suchte. Elfie war erstaunt. War wirklich sie gemeint? Sie erreichte lächelnd die Gemüseabteilung, bereit zu einem Gespräch, zum Kennenlernen, Beziehung knüpfen, Freundinnen werden und Trauzeugin, vielleicht mal eingeladen werden, zum irgendwann mal dazugehören…

„Ja, n bisschen was besorgen für…“, räusperte sich Elfie und wurde dann rasch unterbrochen. „Ja, ja, ich weiß,“ quietschte die Kollegin los, immer noch ins Handy starrend, „…kalt draußen, nääää? Jetzt muss ich aber los, die Party. Es fehlte ja nur noch… Kohlrabiiiiiii!“ Sie hatte wohl gefunden, was sie suchte und rauschte quietschend davon. Elfie blieb zurück und ließ enttäuscht die Schultern sinken. Wen auch immer sie gesehen hatte, Elfie wahrscheinlich nicht. Mit wem auch immer sie kommunizieren wollte, mit Elfie wahrscheinlich nicht. 

Elfie lehnte sich an das nahestehende Regal mit den Sonderangeboten und schloss die Augen. War es nicht schon immer so gewesen? Die Menschen übersahen sie, nahmen sie nicht wahr, niemand interessierte sich für Elfies Meinung und niemand für ihr Leben. Selbst nach all den vielen Jahren im Büro war sie immer nur die Kaffeebringerin, die die Tassen eindeckte und am Schluss wieder abräumte, die, die sich darum kümmerte, dass genug Milch im Kühlschrank war und die, die den Weihnachtsnachmittag organisierte. Und obwohl sie verantwortungsvolle Aufgaben hatte, hielt es niemand für nötig, Tschüss zu sagen oder nach ihrer Meinung zu fragen, sie ehrlich wahrzunehmen als die Elfie mit den wunderschönen Augen und ihr zu sagen, was für ein toller Mensch sie war. Sie war eine von ihnen und doch war sie es nicht. 

Sei nicht so empfindlich

Es waren immer die lauteren, größeren, selbstbewussteren Menschen, die gesehen wurden und die brauchten sich nicht mal in den Mittelpunkt drängen, der Mittelpunkt drängte sich um sie. Er machte sie unübersehbar, wie den Eifelturm oder die Freiheitsstatue und schenkte ihnen einen Thron, der ihnen wie selbstverständlich anhaftete und sich überall mit ihnen niederließ, wohin sie auch gingen. Schon wenn sie Luft holten, wanderten alle Blicke erwartungsvoll zu ihnen und sie hatten noch nicht mal ausgesprochen, schon wurden sie zustimmend benickt. Menschen wie Elfie mussten ständig um Aufmerksamkeit kämpfen, konnte die besten Ideen haben, die besten Vorschläge, niemand hörte zu. War sie nicht da, fehlte sie nicht, war sie da, war sie selbstverständlich. Warum konnte sie keine Carrie sein oder eine Samantha, wunderschön, aufregend, polarisierend? Warum fühlte sie sich wie ein kleiner Hobbit und mit einer großen unerfüllten Sehnsucht nach Liebe?

Sei nicht so empfindlich, haben sie gesagt. Das hast du falsch verstanden, haben sie gesagt. Mach nicht so ein Drama, haben sie gesagt. Sie hatten immer etwas zu sagen, zu erwidern, zu argumentieren, auszusetzen und besser zu wissen, wenn Elfie allen Mut zusammennahm und mitteilen wollte, was sie fühlte. Und weil niemand richtig zuhörte und wahrhaftig verstehen wollte, zog sie sich schnell wieder ihre Hobbithosen an und ihr Innerstes unsicher zurück. Nichts sagen, nichts tun, das konnte sie ja doch am besten. 

Elfie sah der Kollegin nach, wie sie immer noch vor sich hin quietschend den Supermarkt hinausstakste und hörte, wie die Menschen ihr verzückt ein schönes Wochenende hinterherriefen. Einfach so, weil sie da war, weil sie auffiel und weil sie eine Person war, und die Summe aller Menschen darstellte, die Elfies Leben bisher prägten.

Elfie ist es wert

Zuhause angekommen schälte sich Elfie mühevoll aus den Winterklamotten und fiel müde auf die Couch. Alles schmerzte und das Atmen fiel ihr schwer. Der Punkt war erreicht, eine Grenze war überschritten, nichts ging mehr. Rien ne va plus. Es waren weder Wut und Enttäuschung noch Trauer und Verzweiflung, es war pures Leid, das sie überwältigte und ein Gefühl der Hilflosigkeit. Nach fünfunddreißig Jahren mühsamen Schotterwegs, der ewigen Suche nach Liebe und Wertschätzung, nach dem unaufhörlichen Nieselregen an Missachtung und Ausgrenzung war der Gipfel erklommen, an dem sie nun stand und sich erschöpft fragte, wozu noch? Für wen? 

Sie schlug die Hände vors Gesicht und lies laufen, was raus wollte. Alle Dämme brachen, aller Schmerz wich hinaus, bis sie langsam ruhiger wurde und das Atmen wieder leichter fiel. Es war, als würde jemand den Arm um sie legen und ihr den Rücken streicheln und sie fühlte das Beben weniger werden, bis ein ruhiges, warmes Gefühl den Körper hinaufkroch und sich ihr Innerstes mit Frieden füllte. 

Etwas gehörte verändert. Wenn ein Kohlrabi wichtiger war als ein paar nette Sätze zu sagen, die einen sehnsüchtig darauf wartenden Menschen mit einem Hochgefühl beschenkt hätten, dann musste jetzt Schluss sein. Elfie wischte sich die Tränen ab und setzte sich aufrecht hin. Vielleicht war es ja genau das - ihre Sehnsucht nach Liebe, ihr Warten auf Nettigkeiten, ihre Suche nach dazugehören, ihr Wunsch gesehen zu werden… 

Liebe dich selbst, sonst tut es kein anderer, hatte ihre Oma immer gesagt. Wenn du dich selbst nicht siehst, sieht dich kein anderer. Wenn du dich selbst nicht fühlst, fühlt dich kein anderer. Wenn du dich selbst nicht wertschätzt, wertschätzt dich kein anderer.

Elfie sprang auf und rannte ins Bad. Sie sah in den Spiegel. Sie tat es nur selten und wenn dann nur kurz, sie mochte sich nicht so gern sehen. Aber heute hielt sie dem Drang stand, wegzuschauen. Sie atmete tief ein. Es dauerte eine Weile, bis das Wasser in ihren Augen die Konturen des Bildes freigab, das der Spiegel offenbarte - ihr wunderschönes Gesicht, ihre wunderschönen Augen, ihr Haar, ihre Ohren, ihre Nase, ihre Lippen. Leicht war das nicht. Sich einfach nur anzuschauen tat sogar ein bisschen weh. Aber wie sollte es auch leicht sein, wenn sie es fünfunddreißig Jahre nicht getan hatte.

Ich sehe dich, sagte das Bild im Spiegel und zwei wunderschönen Augen sahen sie liebevoll an. Zwei Hände streichelten ihr sanft über die Wangen. So, wie du bist, bist du richtig, sagte das Bild weiter und Elfies Gesicht schmiegte sich in die wohlige Wärme. Du bist es wert, formten die Lippen zärtlich die Worte und das Bild nickte zustimmend. Elfie lächelte. Ja, das ist ein Anfang, sagte sie leise. 

Als sich Elfie später erschöpft in ihr Bett kuschelte und auch Muffin und Peanut ihren Platz gefunden hatten, zog sie die Bettdecke hoch bis unter die Nase und blickte aus dem Fenster in die Sterne. Sie nahm einen tiefen Atemzug und fasste sich an ihr Herz. Sie fühlte das gleichmäßige Pochen, als wolle es ihr sagen, „hey, ich bin da“ und fühlte, dass etwas anders war. Morgen wird nicht mehr heute sein und was auch immer kommen würde, es würde nur noch in eine Richtung gehen, nach vorn. Und Elfie fühlte sich bereit, den neuen Weg zu gehen.

Ab morgen, mein liebes Herz, gehöre ich dir. Ich werde dich umarmen und ich werde dir zuhören, ich werde dich lieben und ich werde dir danken, ich werde loslassen und vergeben. Ich werde dich öffnen und das Licht hereinlassen und wenn du weinen willst, dann nur noch vor Freude. Mein liebes Herz, ich hab dich lieb!  

Und von den Sternen aus konnte man in einer kleinen Dachgeschosswohnung ein winzig kleines Leuchten in einem Herzen erkennen, das sich seinen Weg bahnte, um wachsen zu können und ein kleines Zimmer erhellte mit Liebe und Frieden.

MS    15. Februar 2025

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